Barcamp Hannover vor der Cebit

Dank einer für die Entfernung wirklich guten ICE-Verbindung MUC-HAJ und eines endlich mal wieder befriedigenden Gesundheitszustandes (nein, bin nicht notorisch krank, nur Jena fiel wegen einer Grippe-Episode für mich ins Wasser) konnte ich auch mal wieder live auf einem Barcamp dabei sein. Das Barcamp war eigentlich genau so, wie ich aus der Erfahrung der zuvor besuchten BCs erwartet hatte - eine ideale Sache, um sich mit anderen “Szene-Aktiven” auszutauschen. Diese persönlichen Gespräche bilden für mich den Mittelpunkt eines Barcamps, da man aus diesen meistens noch mehr lernen kann als aus den Sessions. Im Folgenden werde ich mich aber auf ausgewählte Sessions beschränken, denn persönliche Gespräche sollen ja persönlich bleiben ;-)

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Von Stefan Peter Roos von Proud Music gab es zu Beginn eine sehr hilfreiche Session zum Thema SEO Optimierung, aus der ich auch für WhatsYourPlace einiges mitnehmen konnte. Die Art der Anzeige der WYP Grundbucheinträge in Google ist noch unbefriedigend - die Beschreibung entsprechender Suchergebnisse wirkt in vielen Fällen noch recht beliebig. Hier könnten laut Stefan Probleme mit Tabellenlayout oder ungenügende Meta Tags Descriptions verantwortlich sein - da werde ich unserem Entwickler mal auf die Finger klopfen. ;-) Für WhatsYourPlace liegt bei on-site SEO der Schlüssel ja in der sogenannten “Long-Tail-Optimierung”: Während es zum Beispiel für einen Anwalt-Branchendienst logischerweise Sinn macht, den Suchbegriff “Anwalt” zu besetzen (”Short Head Optimierung”), gibt es diese einzelnen High Value Keywords für WhatsYouPlace kaum. Es sucht eben kaum jemand nach: “ich möchte ein virtuelles Grundstück kaufen”… ;-). Nein, langfristig besteht für WYP die Herausforderung darin, für die tausenden “Grundstück-Themen” von Dschungelcamp bis Kanzleramt in Google auffindbar zu sein. Aber, wie eingangs erwähnt, es reicht eben nicht aus, bei Google angezeigt zu werden. Entscheidend ist das Wie der Anzeige - spricht diese den Menschen an, auch auf das Suchergebnis zu klicken?

Von Lawrence Nell war in der Social News Session unter anderem zu erfahren, dass Yigg.de den Durchbruch mit der Verlinkung des Videos der Hinrichtigung von Saddam Hussein geschafft hat. Yigg war die erste deutschsprachige Plattform, auf der das Video aufzufinden war. Unterstützt durch die ohnehin gute SEO Power von Yigg landeten zigtausend Neugierige, die nach dem Video gegoogelt haben, auf den Seiten von Yigg. Ein Teil dieser Erstbesucher konvertierten zu regelmäßigen Nutzern und von diesem Moment an wuchs die Plattform rasant. Dieses hochinteressante Detail zeigt exemplarisch, wie externe Effekte, die nicht steuerbar sind, den Ausschlag geben können über Make or Break.
Ein relativ neues Feature von Yigg besteht in der Einstellung möglicher zukünftiger Nachrichten als “Spekulation”. Wer beispielsweise überzeugt ist, dass Beck bald zurücktritt, kann dies als zukünftige News einstellen. Andere User können dann darüber abstimmen, ob sie an das Eintreten der zukünftigen Nachricht glauben oder nicht. Von den Yigg Machern angedacht werden aktuell Möglichkeiten, dieses Abstimmen zu einer Art Wettsystem mit realen Geldeinsätzen auszuweiten. Die Realisierung stelle ich mir hochkomplex vor, denn solche Funktionen würden eines juristisch nicht angreifbaren Schiedssystems bedürfen, welches über das (Nicht-)Eintreten von Nachrichten entscheidet. Auch müssten die Nachrichten so formuliert sein, dass eine einwandfreie Beurteilung überhaupt möglich ist. “Beck zurückgetreten” würde sich hier beispielsweise nicht qualifizieren, da neben der zeitlichen Fixierung die Spezifikation fehlt, welches Amt niedergelegt wird.

In seiner zweiten Session befasste sich Stefan Peter Roos mit alternativen Geschäftsmodellen und direkten Monetarisierungsansätzen. Exemplarisch diskutierte er die Kriterien für nachhaltige Geschäftsmodelle am Beispiel Digitaler Güter. Inspiriert wurde Stefan hier von Kevin Kelly’s Blogartikel, welcher 8 Kriterien für die definiert. Diesen konnte ich nicht ganz folgen, was auch daran liegen mag, dass ich eine Listen-Logik immer etwas beliebig finde: warum sind es statt 8 nicht 7 oder 9 Kriterien? Woraus leiten sich die Kriterien ab? Robert Basic bemerkte auch, dass ihm die Kriterienliste zu rational ist und Emotionen zu wenig berücksichtigt. Auch in meinen Augen wird das Thema “Emotion” bei der Beurteilung von Produkten häufig vergessen. Man hat eben in Textbüchern gelernt, dass man nach dem “Kundennutzen” fragen müsse und danach, welches “Problem” gelöst würde. Wer aber Konsum auf Problemlösung reduziert, der kann den Erfolg vieler Konsumgüter nicht erklären und hat auch ein etwas blutleeres Menschenbild. (Anmerkung: die letzten Gedanken haben nicht mehr direkt etwas mit Stefans Vortrag zu tun, der sich mit Kelly’s Kriterien durchaus kritisch auseinandersetzte).
Ursprünglich wollte ich zum Thema “Virtuelle Güter” selbst eine kleine Session halten, hatte mich dann aber in Abstimmung mit Stefan dazu entschlossen, seiner Session einen kurzen Beitrag folgen zu lassen. Auf dem heutigen Webmontag werde ich meine Vorstellungen zum Thema noch einmal zusammengefasst präsentieren, und dann für ein folgendes Barcamp noch einmal ausarbeiten.

Wer Interesse an einem etwas ausführlicheren und schöner bebildertem Barcamp Bericht hat, dem empfehle ich den Blogartikel meines Namensvetters Tobias. Ein sehr differenzierten Report findet sich beim Powerbook Blogger. Abschließend noch ein großer Dank an die Organisatoren. Das WLAN war stabil verfügbar, Verpflegung und Sponsoring optimal.