augsburgR athaus wird Blog-Projektionsfläche

Ein Blogger fragt bei der Stadt Augsburg höflich an, ob er seine Domain augsburgR.de für ein privates Dreier-Blog nutzen könne. Die Antwort des Augsburger Rathauses: ein lautes “Nein” mit anschließender - und hier beginnt die Sache zur News zu werden - rechtsanwaltlicher Abmahnung samt deftiger Kostennote in Höhe von 1890 Euro (Streitwert 50.000 Euro)

Es ist ja nicht lange her, dass ein Fall von Abmahnwahn durch die Blogosphäre geisterte. Damals wurden unter anderem Bastler der Community Dawanda von Jack Wolfskin abgemahnt, für die eigenen Handarbeiten wolfstatzenähnliche Abbildungen zu verwenden, und damit die Bildmarke von Wolfskin zu verletzen. Wir von WYP haben prompt reagiert und auf dem Firmengelände von Wolfskin gegen den “Abmahnwahnsinn” demonstriert und für Dawanda plakatiert.

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Dieses Mal haben wir das AugsburgR Rathaus besetzt, publizieren dort live augsburgr-Tweets (s.o.) und bieten dem abgemahnten gerne Blogger an, das Rathaus zur Projektionsfläche seines zukünftigen Blogs zu nutzen  (liebe Anwälte, wir verkaufen das Augsburger Rathaus nicht und verwenden die Bezeichnung “Augsburg” oder “AugsburgR Rathaus” nicht markenmäßig, sondern lediglich, um einen geographischen Ort zu kennzeichnen). Eine virtuelle Besetzung des AugsburgR Rathauses sozusagen, ähnlich wie dies die Piraten mit der Kaperung des Innenministeriums vor der Bundestagswahl vorgemacht haben.

Inzwischen ist der Wirbel in der Blogosphäre so groß, dass die Bediensteten des Rathauses sich offenbar gezwungen sahen, das Thema nochmal intern zu diskutieren, sogar der Oberbürgermeister hat eine Stellungnahme zu dem Vorgang abgegeben. Demnach wurde die Kostennote fallengelassen. Hier eine Übersicht über die Blogger, die durch gemeinsamen virtuellen Widerstand zu diesem schnellen Einlenken beigetragen haben:

AugsburgR war heute wohl das am häufigsten gebrauchte Wort in deutschen Blogs, der Schockwellenreiter und Bluelectric halfen kräftig mit. Ein Augsburger Blogger namens “Vötzi” sieht die Augsburger Aktion als jüngste Forsetzung einer Reihe unrühmlicher Aktionen, auch Tara, den König von Haunstetten und 11k2 erinnert der Fall ans Dönerverbot. Roadrunnerswelt sagte das schnelle Einknicken des Goliath voraus, der Farmblogger konnte dies bald darauf bestätigen.

Ein paar bemerkenswerte Zitate aus der Blogosphäre:

Thorsten Zoerner: “Das hier Namensrechte missachtet wurden steht für mich ohne Zweifel, aber Kommunikationspflichten gibt es eben auch. Oder?”

Tarphos: “mich wundert, dass man mit der reinen Reservierung einer Domain schon Gefahr läuft, kostenpflichtig abgemahnt zu werden.”

Pimmelcrew: “Das Verhalten der Stadt Augsburg ist nicht nachzuvollziehen, der Blogger zeigt eindeutig, dass er die Domain gelöscht hätte, wenn die Stadt nicht einverstanden gewesen wäre. Es handelt sich hierbei um reine Unterdrückung der Bevölkerung und Geldmacherei”

Hobbygartenblog: “Offenbar hat die Verwaltung der Stadt Augsburg ein etwas gestörtes Verhältnis zu den Augsburgern.”

Provinzblog: “Sollte Augsburg je den Ruf gehabt haben eine weltoffene, moderne Stadt zu sein, hat sich das jetzt erst mal erledigt.”

Cybertide: “Wer heut zutage nicht ein halbes Jura-Studium hinter sich hat, scheint im Netz schlechte Chancen zu haben.”

Firstdayblack: “Die Stadt Augsburg gehört in erster Linie den Bürgern.”

An der Stelle auch interessant ist die Nachhilfestunde für Abmahnanwälte von Dennis Erdmann.

Weiterhin Solidarität übten die Blogs Mein TorneschVerwickeltes, verdattert, Carls Weblog, Nachtwächter, behördle, Null-Null-Bryx, Nebelhorn, Ti_Leo, wirsinddasnetz und Lokalpatriotismus

Update: Inzwischen sind die drei Blogger rund um Michael Fleischmann ins Augsburger Rathaus eingezogen - hier gibts die Meldung auf dem augsburgR Blog